Nun sitze ich hier und möchte mich meinem alten und auch neuen Hobby widmen und plötzlich fällt mir die Decke auf den Kopf! Meine Ideen bleiben mir aus. Was damals als Kind noch wie von Zauberhand von ganz alleine ging, ist plötzlich mit unglaublicher Anstrengung verbunden und am Ende sitze ich nach 4h Arbeit immer noch vor einem staubigen leeren Blatt Papier. Dieses furchtbare Papier starrt mich schrecklich an und schreit mir deutlich ins Gesicht „Versager“! Und ganz klar wird mir bewusst „Ich habe meine Kreativität verloren … oder?“

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Kreativität hat es wirklich in sich. Manchmal scheint es, als würden die Ideen nur so aus einem heraussprudeln. Meistens dann, wenn man zufällig gerade im Supermarkt an der Kasse steht, mitten in einer Matheklausur steckt oder man auf der Autobahn gerade die 200 km/h Grenze erreicht hat. Immer also genau dann, wenn es eigentlich nicht passt. Normalerweise sollte es im Gehirn eine Funktion geben, in die man all die Ideen packen kann und solange aufbewahrt, bis man sie schriftlich niederschreiben, auf einem Papier kritzeln, zeichnen oder anderweitig umsetzen kann. Jederzeit abrufbar, jederzeit nutzbar und immer griffbereit. Keinen Funken Kreativität müssten wir wieder sinnlos verschwenden. Keine Ideen und Vorstellungen würden jemals wieder scheinbar unauffindbar in unseren Erinnerungen verschwinden. Alles wäre möglich & machbar. Jeder einzelne Traum verwirklich- und jede Phantasiewelt erschaffbar.

Leider ist die Realität fernab dieser traumhaften Phantasie. Aber woran liegt das plötzlich? Was als Kind noch einwandfrei funktioniert hat, wird plötzlich zur Qual. Können wir unter unserem eigenen Denk-Druck nicht mehr kreativ arbeiten? Können wir nicht, wenn wir müssen und können umso mehr wenn wir eigentlich nicht können? Vielleicht trickst uns unser Gehirn auch nur aus, oder unsere Gedanken tricksen unser Gehirn aus. Eigentlich wären wir zu allem im Stande, sind es aber nicht, weil wir zur falschen Zeit am falschen Ort sind oder ganz einfach das falsche Equipment, schlimmer gar keines, mit uns herumtragen. Will man also z.B. seine kindlichen schriftstellerischen Künste oder seine früheren Kreativ Künste heute abrufen, ist dies gar nicht mehr so einfach wie damals. Jenseits der 20 wird plötzlich alles enorm anstrengend und wahnsinnig aufwendig. Irgendwie muss man Kreativität plötzlich zwischen Tür und Angel finden und bevor es überhaupt losgeht suchen wir nach der richtigen Musik, dem geeigneten Ort, dem perfekten Inspirationspartner, der geeigneten Muse oder dem glücksbringenden Bleistift. Außerdem braucht der Körper um körperlich und mental fit zu sein doch noch mindestens zwei Tassen Kaffee oder sogar drei…

Was ist nur mit uns geschehen? Haben wir unseren Ideengeist aus den Augen verloren und wenn wir ihn gefunden haben, verlieren wir ihn dann immer wieder erneut? Vielleicht sollten wir anfangen weniger darüber nachzudenken, weniger für und wider abzuwägen, weniger „nach der perfekten Atmosphäre“ zu suchen. Vielleicht sollten wir anfangen weniger auf die Kreativität zu hoffen sondern endlich einfach kreativ sein, den Flow spüren und sich vollkommen fallen lassen. Vielleicht sollten wir anfangen Gedanken kommen und gehen zu lassen, wie sie kommen und gehen wollen und uns mitreißen lassen von all den Ideen und Phantasien, die in uns schlummern, denen wir aber durch die äußeren Umstände keine Möglichkeiten mehr geben sich zu entfalten.

Vielleicht sollten wir anfangen Kreativität zuzulassen ohne darüber nachzudenken ob es eine Kreativität sein könnte oder doch nur eine absurde Idee ….

 

- ENDE -